Still stehen, um vorwärts zu kommen?

geschrieben von Christa Schäffer



Schmetterlingszeit

Was braucht es, damit Neues entstehen kann?

Kann es sein, dass es manchmal nötig ist, still zu stehen, zu verharren? ....

Wo es doch immer heißt: Nimm Dein Leben in die Hand! Sei aktiv! 


Letzte Woche hat mich doch tatsächlich auch die Grippe erwischt - und das ausgerechnet an unserem gebuchten Studio-Wochenende, wo wir an unserer ersten eigenen CD weiter produzieren wollten! Es half alles nichts... Trotz Tees, Tropfen, Globuli und Hausmittelchen zwangen mich Fieber, Husten, Kopf- und Gelenkschmerzen in mein Bett in Kirch-Siebnach. So ließ ich Frank schweren Herzens alleine los ziehen, um Gitarre, Ukulele und seine Stimme aufzunehmen. 

 


Nachdem ich die ersten zwei Tage überwiegend schlafend, schwitzend und Tee trinkend verbrachte, schlich sich dann aber doch allmählich die Langeweile ein. Zum Glück war ich wenigstens ausgestattet mit gutem Lesestoff.

 

Das Buch "Schmetterlingszeit" von Sue Monk Kidd hatte ich beim Aufbruch zuhause noch intuitiv in die Tasche gesteckt. Und es begleitete mich die nächste Zeit, in der ich hustend und schniefend vom Bett vor`s Fenster auf die Couch und wieder zurück wanderte.

 


Meine Gefühlsspektrum reichte dabei von niedergeschlagener Resignation über hoffnungsvolle Zuversicht bis hin zu schöpferischer Kreativität. Der Frust über diese ungewollte Auszeit paarte sich immer wieder mit der Erkenntnis, dass es eben diese "aktive Phase" des Nichtstuns braucht, um wieder mal inne zu halten, zu sich zu finden. 

 


 

 

Vom Fenster aus konnte ich die Vögel am Futterplatz beobachten. Was für ein emsiges Treiben und was für verschiedene Arten kamen da, um auch etwas von den Samen und Kernen zu ergattern. Sogar die Familie Specht ließ sich blicken. Wann hatte ich zum letzten Mal die Zeit und Muße, einfach so da zu liegen und dieses Schauspiel zu genießen?

 


Sozusagen "nebenbei" ist an diesem Wochenende der Text für ein neues Lied entstanden:

 

 

Immer wieder ausharren,

zwischen dem, was war und wird,

jenseits von Plänen, Streben, Handeln,

im Warten zu verharren.

 

Immer wieder still stehen,

mit mir selbst verbunden sein,

um mich ganz bewusst zu spüren,

kann ich dann wieder weiter gehen.

 

Immer wieder aushalten, 

dass ich nichts erzwingen kann.

Wenn ich der Zeit des Wachsens vertraue,

kann sich mein Leben neu entfalten.

 

 

 


So wünsche ich Dir und mir die geduldige Bereitschaft, sich auch auf ungeplante Auszeiten einzulassen, um der Kreativität in uns Raum und Zeit zu geben. Und auch das Warten und Ausruhen liebevoll anzunehmen statt sich im Kämpfen dagegen zu verausgaben. 

 

Take care - Pass gut auf Dich auf!

Herzlich Christa Schäffer


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Kommentare: 1
  • #1

    Dorothea (Dienstag, 24 Januar 2017 12:38)

    Liebe Christa,
    Du bist hoffentlich mittlerweile wieder frisch und munter mit dem guten Gefühl diese erzwungene Auszeit genossen zu haben.
    Mir ging es ab dem 2. Weihnachtsfeiertag für 9 Tage genau wie Dir und da ich seit einem Jahr nicht mehr berufstätig bin, habe ich bewusst "alle Vier von mir gestreckt" und auch tagsüber schlapp und faul auf dem Sofa gelegen - herrlich...kein Kampf mehr mit Pillen und Säftchen ums Gesundwerden um schnellstmöglich wieder fit und aktiv an die Arbeit zu gehen. Ausharren, Stillstehen, Aushalten.........ganz neue Erfahrungen für mich !