20. September 2026
Be Still
Ein Lied, das auf Englisch beginnt und ins Arabische mündet – ein leiser Ruf an die eigene Seele, der mit der ältesten Segensformel des Islam endet. Der Ruf „Be still, my soul, be still” geht auf Mark Fox zurück, den Begründer der True-Voice-Stimmarbeit; in unserer Fassung öffnet sich der zweite Teil ins Arabische.
Be still, be still, be still my soul, be still. Embraced in the arms of love Bismillah, (Bismillah,) ir-Rahman, ir-Rahim
Bismillah ir-Rahman ir-Rahim „Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen” – die Basmala, mit der im Islam fast jede Handlung und fast jede Sure des Korans beginnt. Zwei verwandte Worte für Barmherzigkeit stehen darin nebeneinander: „Rahman”, das umfassende Erbarmen, das allem gilt, und „Rahim”, das zugewandte, das dem Einzelnen gilt.
„Be still, my soul” ist kein Befehl. So spricht man zu einem erschrockenen Menschen, dem man einen Platz neben sich anbietet: Du darfst deine Unruhe mitbringen. Niemand verlangt, dass du sie an der Tür zurücklässt.
Auch unsere Seele hat manches gehört, was sie nicht leicht vergisst. Manchmal genügt ein fremdes Wort, ein Ruf – und schon sind die Bilder wieder da, mit denen es sich in uns verbunden hat. Dann hören wir die Angst mit, noch bevor wir den Menschen hören. Dafür muss sich niemand schelten. Aber vielleicht dürfen wir ein wenig länger hinhören. Dasselbe Wort, unter dem einer Schrecken verbreitet, kann einem anderen seit Kindertagen Trost gewesen sein. Es wird am Bett eines Kranken gesprochen, in der Sorge um ein Kind, in der Dankbarkeit eines Menschen, der den Morgen noch einmal sehen darf. Auch diese Stimmen gehören zur Welt. Sie sind nur leiser als die, vor denen wir erschrecken.
Stillwerden heißt dann: ihnen wieder Gehör schenken. Die Augen bleiben offen. Das Leid bleibt Leid, und manches Unrecht verlangt unsere ganze Entschiedenheit. Aber wir müssen nicht jedem Unbekannten die Schuld dessen aufladen, was wir fürchten.
„Embraced in the arms of love” – solche Stille wächst dort, wo wir selbst ein wenig Geborgenheit erfahren. Wo wir nicht stark sein müssen, um bleiben zu dürfen. Allmählich löst sich die Hand, die wir zur Faust geschlossen hatten, und erst jetzt spüren wir, wie müde sie geworden ist.
Vielleicht magst du beim Singen im fremden Menschen etwas von dieser Müdigkeit wiedererkennen. Auch er trägt, was wir nicht sehen. Auch er hofft, dass ihm jemand freundlich begegnet.