15. September 2026
Maayan Ganim
Ein hebräischer Chant, dessen Text direkt aus dem Hohelied stammt – einem der poetischsten Bücher der hebräischen Bibel.
Maayan Ganim beér Mayim Chayim (3x) Venozlim venozlim Min Levanoon (2x) Hine Ze Ba
Maayan Ganim „Gartenquelle” – ein Bild aus dem Hohelied (4,15) für etwas zutiefst Lebendiges und Nährendes.
Beér Mayim Chayim „Ein Brunnen lebendigen Wassers” – nicht stehendes, sondern fließendes, quellendes Wasser.
Venozlim Min Levanoon „Und fließend vom Libanon” – der Libanon galt in der biblischen Bildsprache als Quelle besonders reinen, klaren Wassers.
Hine Ze Ba „Siehe, er kommt” – ebenfalls aus dem Hohelied (2,8), dort der Ruf der Sehnsucht nach dem Geliebten. Wird in vielen jüdischen Niggunim (wortlosen oder textnahen Gesängen) als Moment der Ankunft, des Aufbruchs gesungen.
Im Hohelied ist dieses Wasser zunächst Bild für die Geliebte selbst – rein, lebendig, unerschöpflich. In der mystischen Auslegung wird daraus mehr: die Sehnsucht nach reinem, lebendigem Wissen, nach einer Erkenntnis, die nicht abgestanden ist, sondern ständig neu fließt. Wer will, findet darin eine leise Verwandtschaft zu „Om Asato Ma” – dort die Bitte, von der Unwahrheit zur Wahrheit geführt zu werden, hier das Bild des Wassers, das genau das schon ist: rein, quellend, lebendig, statt starr.
Und dann kommt „Hine Ze Ba” – nach der ruhigen Sehnsucht der ersten Zeilen wie eine Welle, die plötzlich da ist. Nicht mehr die Bitte um das Kommen, sondern die Ankunft selbst.
Vielleicht magst du dich beim „Hine Ze Ba” einfach von dieser Welle tragen lassen – manche Momente muss man singend erleben, um sie zu verstehen.