20. April 2026

Om Gam Ganapataye Namaha

Manche Mantren wirken nicht durch Stille, sondern durch Erlaubnis. Dieses hier ist wie ein tiefer Atemzug vor einer neuen Schwelle – eine Bewegung von Zögern hin zu etwas Mutigem und Klarem.

Om Gam Ganapataye Namaha – Sharanam Ganesha Ganapati – Ganapataye

Ganesha steht an jedem Anfang. In Indien wird kein Fest begonnen, kein Haus betreten, kein neues Vorhaben gestartet, ohne zuerst seinen Namen zu rufen. Nicht weil er Glück bringt – sondern weil er erinnert: Jeder Anfang braucht einen Moment der Sammlung.

Sharanam – Zuflucht – ist das Herzwort dieses Mantras. Nicht Schutz vor etwas. Sondern das Gefühl, getragen zu sein. Sicher genug, um loszugehen.

Die wörtliche Bedeutung

  • Om – der Urklang, die Vibration des Universums
  • Gam – das Bija-Mantra, der Samenklang Ganeshas – seine direkteste, konzentrierteste Form
  • Ganapataye – „dem Ganapati” – ein anderer Name für Ganesha: Gana = Shivas Gefolge, Pati = Herr. Also: der Herr der Gemeinschaft, der Hüter des Übergangs.
  • Namaha – ich verbeuge mich, ich erkenne an
  • Sharanam – Zuflucht, Heiligtum, sicherer Ort. Mehr als Schutz – das Gefühl, getragen zu sein, weil man tut, was stimmig ist.

Ganesha – wer ist er?

Ganesha ist der elefantenköpfige Gott, weithin verehrt als Hüter der Schwellen und Herr aller Anfänge. Sohn von Shiva und Parvati – also Kind von Bewusstsein und Urkraft.

Nach dem Kundalini Yoga wohnt Ganesha im Wurzelchakra, dem Muladhara. Mula bedeutet Ursprung, Adhara bedeutet Fundament – er ist die Kraft, die uns trägt und alle anderen Energien stützt.

Bemerkenswert: Er gilt nicht nur als Hindernisbeseitiger – er setzt Hindernisse auch, wenn jemand gebremst werden muss. Er ist also kein bequemer Helfer, sondern ein weiser.

Für mich ist es weniger eine Bitte als eine Haltung. Ich rufe Ganesha nicht, damit er mir Hindernisse aus dem Weg räumt. Ich rufe ihn, damit ich klar genug werde, um zu sehen – welche Hindernisse mich schützen, und welche ich loslassen darf.

Vielleicht magst du einmal innehalten, bevor du etwas Neues beginnst. Und leise summen: Om Gam Ganapataye Namaha. Nicht als Formel. Als Schwelle.

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