3. Oktober 2026
Salam Mevlana
Zwei Worte, mehr braucht dieses Mantra nicht. Es grüßt Mevlânâ – so nennt man in der Türkei den Dichter und Mystiker Dschalāl ad-Dīn Rūmī, dessen Grabmal in Konya mitten in Anatolien steht.
Salam Mevlana Salam Salam Mevlana Salam Salam Mevlana Salam Mevlana Salam Mevlana Salam
Salam Friede. Dasselbe Wort, mit dem man sich im Arabischen grüßt: Friede sei mit dir.
Mevlânâ „Unser Meister”, „unser Herr” – aus „mawlā” und der Endung „-nā” (unser). Die Wurzel w-l-y heißt zweierlei zugleich: nah sein und Macht haben. Und „mawlā” selbst ist eines dieser Worte, die in beide Richtungen zeigen – es kann den Beschützer meinen und den Beschützten, den Herrn und den Schützling, den Verbündeten und den Freund.
In Konya entstand nach Rumis Tod der Mevlevi-Orden, bekannt als die „tanzenden Derwische”. Ihr Sema ist keine Vorführung, sondern Gebet in Bewegung: eine Hand nach oben geöffnet, um zu empfangen, die andere nach unten, um weiterzugeben – der Mensch als Durchgang, nicht als Behälter. Gedreht wird nach links, um das eigene Herz herum.
Und nun das Schönste an diesem Namen. Der Mann, den man „unser Meister” nennt, kam von weit her: Seine Familie floh vor den Mongolen aus Balch im heutigen Afghanistan bis nach Anatolien. „Rūmī” heißt wörtlich „der aus Rum” – aus dem Land der Römer, wie man Anatolien damals nannte. Er trägt also bis heute den Namen des Landes, in dem er ankam, nicht des Landes, aus dem er stammte. Ein Zugereister, benannt nach der Fremde. Und ausgerechnet er wurde zu dem, den man „unser Meister” ruft.
Genau diese Bewegung machen wir, wenn wir das Mantra abwandeln und reihum den Vornamen eines Menschen aus dem Kreis statt „Mevlana” singen. Die Melodie bleibt, nur der Name wechselt – und für die Dauer von vier Zeilen gilt für diesen einen Menschen, was sonst einem großen Meister gilt. Der ganze Kreis wendet sich ihm zu, friedlich, ohne Erwartung. Danach ist niemand mehr ganz fremd. So viel Aufwand ist das nämlich gar nicht: Es braucht einen Namen, eine Melodie und die Bereitschaft, jemanden freundlich anzuschauen.
Vielleicht magst du, wenn dein Name dran ist, einfach dableiben und es annehmen – das ist meistens schwerer als das Singen für die anderen.
(Verwandt mit → „Come, Come, Whoever You Are”, den Rumi zugeschriebenen Zeilen, die niemanden an der Tür stehen lassen.)