3. Oktober 2026

Segen sei mit allem, was war

Ein Segenslied von Iria Schärer, bei uns oft am Schluss gesungen – drei Zeilen, die nacheinander die ganze Zeit umfassen und trotzdem keine Eile haben.

Segen sei mit allem, was war. Segen sei mit allem, was ist. Segen mit allem, was wird.

Ein Segen ist kein Wunsch. Ein Wunsch hätte gern etwas anders, ein Gebet bittet darum. Ein Segen legt nur die Hand auf das, was da ist, und sagt: es sei gut gehalten. Deshalb steht in diesem Lied auch kein einziges „möge” – nichts soll werden, alles darf sein.

Die erste Zeile ist die schwerste. „Alles, was war” – das heißt eben nicht nur das Gelungene. Es heißt auch das, was danebenging, was man nicht mehr geradebiegen kann, was man lieber anders erinnern würde. Die Vergangenheit ist der einzige Teil der Zeit, an dem sich nichts mehr machen lässt. Genau sie wird hier zuerst gesegnet – nicht, nachdem man sie sortiert und verstanden hat, sondern vorher.

Die zweite ist die unauffälligste und wird am leichtesten überhört. „Alles, was ist”: dieser Raum, dieser Abend, diese Stimmen, auch die Müdigkeit in den Beinen. Dort, wo man ohnehin gerade ist.

Und die dritte traut sich am weitesten vor. Ein Segen für etwas, das noch niemand gesehen hat – blind gesprochen, im Voraus, ohne zu wissen, worauf er fällt. Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung dieses Liedes: dass es gut ausgehen darf, ohne dass wir es vorher prüfen.

Vielleicht magst du beim Singen für jede Zeile etwas anderes vor Augen haben – und bei „was war” ruhig das nehmen, was dir am wenigsten gelungen ist. Gerade das braucht den Segen ja am dringendsten.

(Verwandt mit → „Ho’oponopono”: dort wird aufgeräumt, was zwischen uns steht. Hier wird gesegnet, bevor überhaupt aufgeräumt ist.)

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