21. August 2026

Shivam Sharanam

Manche Mantren bitten um etwas. Dieses hier lässt einfach los und legt sich in etwas Größeres hinein.

Shivam Sharanam Sharanam, Sharanam, Sharanam Om Namah Shivay Shivaya Namah Om

Shivam / Shiva Der Gütige, das reine Bewusstsein – das göttliche Prinzip von Wandlung und Auflösung

Sharanam Zuflucht, sicherer Ort, Getragen-Sein – dasselbe Herzwort, das schon im Ganesha-Mantra „Sharanam” anklingt

Om Namah Shivaya „Ich verneige mich vor Shiva” – das fünfsilbige Kern-Mantra, das wir auch im Haidakhandi-Lied singen

Es ist im Grunde ein Kreis: erst die Zuflucht (Shivam Sharanam), dann die Verneigung (Om Namah Shivaya) – und am Ende drehen sich die Worte einmal um (Shivaya Namah Om), als faltete sich das Mantra zurück ins Om.

Und dann ist da diese eine Stelle, auf die es sich zu achten lohnt: Beim ersten Mal singen wir „Sharanam” dreimal, danach nur noch zweimal. Wer nicht ganz da ist, singt genau in die entstehende Stille hinein – und ertappt sich beim Lächeln. Diese kleine Pause ist kein Fehler im Lied. Sie ist die Achtsamkeitsübung mitten im Singen: einmal nicht auf Autopilot, sondern wirklich hören, wo wir gerade sind.

Auch der Klang selbst trägt eine leise Botschaft. Der erste Teil ist ruhig, fast schwebend – und dann, beim „Om Namah Shivay”, kippt die Stimmung. Ein einziger Harmoniewechsel, und plötzlich hat das Lied eine andere Farbe. Wie wenn ein neuer Geschmack ins Leben tritt. Vielleicht liegt genau darin die Einladung: Solange wir festhalten, bleibt alles im selben Ton. Erst im Loslassen – gerade bei dem, was wir ohnehin nicht in der Hand haben – wechselt die Harmonie, und etwas Neues darf klingen.

Achte beim nächsten Mal auf diese beiden Momente – die Pause und die Wende. Vielleicht spürst du sie, noch bevor du sie denkst.

← zurück zur Startseite