18. September 2026
Wacomaia
Ein Medizin- und Heilgesang der Yawanawá, eines indigenen Volkes aus dem Bundesstaat Acre im brasilianischen Amazonasgebiet – gesungen bei Ritualen und Zeremonien der Gemeinschaft.
Wacomaia, Wacomaia, Wacomaia, Wacomaia, Wacomaia, heé! Wacomaia, tone pindake pinda kanarô ho Tozake hô pará tone pindake, pinda kanarô ho
Ahe, ehe, ya he, waya, Wacomaia, Wacomaia, Wacomaia héé!
Der Text ist in der Sprache der Yawanawá gehalten und lässt sich nicht wortwörtlich übersetzen – solche Gesänge werden mündlich weitergegeben und wirken über Klang, Rhythmus und den rituellen Rahmen, nicht über eine feststehende Übersetzung. Wer bei euch schon länger „Ananda” singt, findet darin vielleicht trotzdem eine leise Verwandtschaft: Ananda und Wacomaia kommen aus zwei völlig verschiedenen Welten, und beide zeigen in Richtung Freude. Nur ist Wacomaia keine Freude für sich allein – es ist die Freude darüber, zusammen zu sein.
Die Yawanawá leben im Regenwald des Rio Gregório im Westen Brasiliens. Ihre Kultur wurde im 20. Jahrhundert durch Kautschukgewinnung und evangelikale Mission stark bedrängt – traditionelle Rituale, Körperbemalung und Gesänge gerieten phasenweise fast in Vergessenheit. Seit den 1980er-Jahren führte vor allem Häuptling Biraci Nixiwaka Yawanawá eine Rückbesinnung auf die eigene Kultur an: Zeremonien, Gesänge, das Herstellen von Rapé (Schnupftabak aus heiligen Pflanzen) und Heilrituale wurden wiederbelebt und werden heute auch mit Gästen aus aller Welt geteilt. „Wacomaia” gehört zu den Gesängen, die dabei über verschiedene Sängerinnen und Sänger der Gemeinschaft – etwa Shaneihu Yawanawá, die den Song aufgenommen hat – auch außerhalb Brasiliens bekannt wurden.
Vielleicht magst du diesen Gesang mit Respekt vor seiner Herkunft singen: als Klang aus einer Kultur, die um ihr Überleben und ihre eigene Stimme gekämpft hat – und beides zurückgewonnen hat.