Mantrakarten
Die Lieder, die wir singen
Zu jedem Mantra ein paar Worte über Herkunft, Bedeutung und das, was es in uns bewegt. Tipp auf eine Karte, um mehr zu lesen.
Gobinday Mukanday
Die Kraft, die dich trägt und dich frei werden lässt
Dieses Mantra stammt aus der Sikh-Tradition, genauer aus dem Dasam Granth von Guru Gobind Singh.
Gobinday Mukanday Udaaray Apaaray Hariang Kariang Nirnaamay Akaamay
Die wörtliche Bedeutung
- Gobinday – der Erhalter / der dich führt
- Mukanday – der Befreier
- Udaaray – der dich erhebt
- Apaaray – grenzenlos
- Hariang – durchdringende Lebenskraft
- Kariang – schöpferisches Wirken
- Nirnaamay – jenseits von Namen
- Akaamay – frei von Wünschen
Die Kraft, die dich hält, befreit, erhebt und durch alles hindurchträgt.
Dieses Mantra kommt aus der Sikh-Tradition. Es erinnert uns daran, dass wir nicht alles alleine tragen müssen.
Es gibt eine Kraft, die uns hält – und genau darin liegt Freiheit.
Haidakhandi
Dieses Mantra wird euch reinigen – euer Herz, euren Geist, eure Seele.
Haidakhan Babaji nannte Om Namah Shivaya das universelle Mantra – er sagte, es sei für alle Menschen aller Religionen und Kulturen zugänglich. Er selbst lehrte es als den direktesten Weg zur inneren Stille und Transformation.
In Haidakhan wurde es täglich bei der Arati (dem Feuerritual morgens und abends) gesungen – als kollektives Gebet, nicht als intellektuelle Übung. Die Vibration, die Gemeinschaft, das Feuer – das war die Praxis.
Om Namah Shivaya Nama Om Haidakhandi Hare hare Shankara
Die wörtliche Bedeutung
- Om – der Urklang, der Anfang aller Manifestation, das kosmische Ja
- Namah – „ich verbeuge mich”, „ich ergebe mich”, „nicht ich, sondern du” – ein Ausdruck von Hingabe und Ego-Auflösung
- Shivaya – „dem Shiva” – wobei Shiva hier nicht nur den hinduistischen Gott meint, sondern das reine Bewusstsein, das allem zugrunde liegt, das Prinzip der Transformation und Auflösung
Zusammen also: „Ich verbeuge mich vor dem reinen Bewusstsein, das ich in Wirklichkeit bin” – oder kürzer: „Ich ergebe mich dem Göttlichen.”
Die fünf Silben – Panchakshara
Das Kernmantra Na-Ma-Shi-Va-Ya heißt auf Sanskrit Panchakshara – das „Fünf-Silben-Mantra”. Es ist eines der ältesten und heiligsten Mantras im Shaivismus und stammt aus den Shiva-Puranas und dem Yajurveda (Sri Rudram).
Jede Silbe steht für eines der fünf Elemente (Panchamahabhuta):
| Silbe | Element | Prinzip |
|---|---|---|
| Na | Erde | Geruch, Festigkeit |
| Ma | Wasser | Geschmack, Fließen |
| Shi | Feuer | Form, Transformation |
| Va | Luft | Berührung, Bewegung |
| Ya | Äther/Raum | Klang, Weite |
Das Singen verbindet also buchstäblich alle Ebenen der Schöpfung.
Es kann schön sein, vor dem Singen kurz innezuhalten und sich zu erinnern: Jede Silbe ist ein Element, jedes Element ist in uns. Das Mantra ist kein fremdes Gebet – es ist eine Rückkehr zu dem, woraus wir bestehen.
Om Gam Ganapataye Namaha
Der Gott, der Türen öffnet – und manchmal schließt
Manche Mantren wirken nicht durch Stille, sondern durch Erlaubnis. Dieses hier ist wie ein tiefer Atemzug vor einer neuen Schwelle – eine Bewegung von Zögern hin zu etwas Mutigem und Klarem.
Om Gam Ganapataye Namaha – Sharanam Ganesha Ganapati – Ganapataye
Ganesha steht an jedem Anfang. In Indien wird kein Fest begonnen, kein Haus betreten, kein neues Vorhaben gestartet, ohne zuerst seinen Namen zu rufen. Nicht weil er Glück bringt – sondern weil er erinnert: Jeder Anfang braucht einen Moment der Sammlung.
Sharanam – Zuflucht – ist das Herzwort dieses Mantras. Nicht Schutz vor etwas. Sondern das Gefühl, getragen zu sein. Sicher genug, um loszugehen.
Die wörtliche Bedeutung
- Om – der Urklang, die Vibration des Universums
- Gam – das Bija-Mantra, der Samenklang Ganeshas – seine direkteste, konzentrierteste Form
- Ganapataye – „dem Ganapati” – ein anderer Name für Ganesha: Gana = Shivas Gefolge, Pati = Herr. Also: der Herr der Gemeinschaft, der Hüter des Übergangs.
- Namaha – ich verbeuge mich, ich erkenne an
- Sharanam – Zuflucht, Heiligtum, sicherer Ort. Mehr als Schutz – das Gefühl, getragen zu sein, weil man tut, was stimmig ist.
Ganesha – wer ist er?
Ganesha ist der elefantenköpfige Gott, weithin verehrt als Hüter der Schwellen und Herr aller Anfänge. Sohn von Shiva und Parvati – also Kind von Bewusstsein und Urkraft.
Nach dem Kundalini Yoga wohnt Ganesha im Wurzelchakra, dem Muladhara. Mula bedeutet Ursprung, Adhara bedeutet Fundament – er ist die Kraft, die uns trägt und alle anderen Energien stützt.
Bemerkenswert: Er gilt nicht nur als Hindernisbeseitiger – er setzt Hindernisse auch, wenn jemand gebremst werden muss. Er ist also kein bequemer Helfer, sondern ein weiser.
Für mich ist es weniger eine Bitte als eine Haltung. Ich rufe Ganesha nicht, damit er mir Hindernisse aus dem Weg räumt. Ich rufe ihn, damit ich klar genug werde, um zu sehen – welche Hindernisse mich schützen, und welche ich loslassen darf.
Vielleicht magst du einmal innehalten, bevor du etwas Neues beginnst. Und leise summen: Om Gam Ganapataye Namaha. Nicht als Formel. Als Schwelle.
Jay Kali Ma
Die Mutter, die nicht schützt – sondern befreit
Manche Mantren wirken nicht durch Stille, sondern durch Kraft. Dieses hier ist wie ein Feuer, das nicht zerstört – sondern reinigt. Eine Bewegung von Zweifel hin zu etwas Unerschütterlichem.
Hey Ma Durga Jay Jagadambe Hey Mata Kali – Hey Mata Durge Jay Kali Ma – Jay Kali Ma Hey Kali Ma – Hey Kali Ma
Durga, Kali und Jagadambe sind keine drei Göttinnen – sie sind drei Gesichter ein und derselben Urkraft.
Wenn wir diesen Chant singen, rufen wir nicht eine ferne Gottheit – wir rufen die Urkraft, die in allem lebt.
- Durga ist das Nein zu allem, was uns klein macht.
- Kali ist der Mut, loszulassen.
- Jagadambe ist das Ja – das Getragen-Sein in der Mutter allen Seins.
„Hey Ma” ist kein Gebet. Es ist ein Ruf. Ein Erkennen. Wir singen: Ich sehe dich – und ich sehe mich in dir.
Für mich ist dieses Mantra kein sanftes Wiegenlied. Es ist ein Ruf an etwas in mir, das größer ist als meine Angst.
Durga kämpft nicht für uns – sie kämpft als das, was wir in unserem tiefsten Inneren bereits sind. Kali räumt auf. Nicht grausam, sondern ehrlich.
Wenn ich „Hey Ma” singe, frage ich nicht um einen äußeren Schutz. Ich erinnere mich daran, dass ich bereits getragen bin – von einer Kraft, die älter ist als jeder Zweifel.
Vielleicht magst du einmal laut „Ma” rufen – einfach so. Und spüren, was antwortet.
Om Asato Ma Sat Gamaya
Vom Unwirklichen ins Wirkliche
Manche Mantren wirken nicht laut, sondern klärend. Dieses hier ist wie ein leiser Schritt nach innen – eine Bewegung von Unruhe hin zu etwas Echtem.
Om Asato Ma Sat Gamaya Tamaso Ma Jyotir Gamaya Mrityor Ma Amritam Gamaya
Asato ma sat gamaya Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen
Tamaso ma jyotir gamaya Führe mich von der Dunkelheit ins Licht
Mrityor ma amritam gamaya Führe mich vom Tod zur Unsterblichkeit
Dieses Mantra stammt aus den Upanishaden. Es wird oft gesungen als eine innere Ausrichtung. Nicht als Bitte im Außen, sondern als Erinnerung.
Für mich ist es weniger ein Ziel als ein Kompass. Immer dann, wenn ich mich verliere, bringt es mich zurück zu etwas Klarerem und Ruhigerem.
Vielleicht magst du es einfach einmal leise für dich summen. Ohne Anspruch. Ohne Ziel.